Branchenspezifische ethische Risikoanalysen | Framework
Das era-Framework zeigt die Ergebnisse der ethischen Risikoanalysen für die Branchen Elektro-Recycling, Fisch, Kaffee, Kakao, Spielzeug, Textil und Tourismus.
Die Grafik bildet die jeweilige Wertschöpfungskette ab und ordnet die wichtigsten Problemfelder den einzelnen Prozessschritten zu. Fahren Sie mit dem Mauszeiger über das Framework, um zu sehen, an welcher Stelle der Wertschöpfungskette welche Probleme in den Bereichen Ökologie, Menschenrechte, Arbeitspraktiken, Governance und Produktverantwortung besonders ins Gewicht fallen. In den Pop-up-Texten erfahren Sie mehr über die konkreten Hintergründe wirtschaftsethischer Herausforderungen.
Wertschöpfungskette Elektrorecycling
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- Ökologische
Indikatoren -
Emissionen, Abwässer und Abfälle
Das größte Risiko bei Emissionen, Abwässern und Abfällen entsteht im Elektrorecycling in Ländern ohne geeignete Recyclinginfrastruktur. Dort setzen unsachgemäß verarbeitete Elektroteile giftige Stoffe frei, und Chemikalien aus Trenn- oder Rückgewinnungsprozessen gelangen ins Grundwasser. So überschreitet die Schadstoffbelastung im Boden von Agbogbloshie, einer Müllhalde im Herzen von Ghanas Hauptstadt Accra, den in Europa erlaubten Grenzwert um das 50-Fache.
- Ressourcenverbrauch
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Biodiversität
Biodiversität umfasst den Erhalt der biologischen Vielfalt – von Tier- und Pflanzenarten bis zu Mikroorganismen und komplexen Lebensräumen. Im Elektrorecycling entsteht vor allem dann ein Risiko, wenn Arbeiter im informellen Sektor alte Elektrogeräte ohne geeignete Recyclinginfrastruktur von Hand sortieren und Rohstoffe herauslösen. Die dabei entstehenden Umweltschäden gefährden auf vielfältige Weise die Biodiversität – eine unverzichtbare Grundlage für das Leben der Menschen.
- Transportemissionen
- Tierschutz
- Menschenrechte
- Diskriminierung
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Interessen der lokalen Bevölkerung
Die Interessen der lokalen Bevölkerung geraten vor allem dann in Gefahr, wenn Elektroaltgeräte aus der formellen Wertschöpfungskette entweichen und in informelle Recyclingsysteme der Empfängerländer gelangen. Das Risikofeld wirft den Fokus auf kommunale Fragen wie der Grundwasserversorgung oder des Bildungs- oder Gesundheitssystems.
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Kinderarbeit
Kinderarbeit betrifft viele Branchen und birgt stets ein hohes Reputationsrisiko. In der Elektrorecyclingbranche ist die Verantwortung der Unternehmen zwar weniger direkt als im Textil-, Kakao- oder Spielzeugsektor, wo die Arbeitsbedingungen der Zulieferer stärker in den Fokus rücken. Doch immer mehr europäische Konsumenten erkennen den Zusammenhang zwischen ihrem Elektroschrott und den arbeitenden Kindern auf Müllbergen.
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Zwangs- und Pflichtarbeit
Berichte über Zwangs- und Pflichtarbeit in diesem Sektor ließen sich bisher nicht bestätigen. Klar ist jedoch: Bei der Sortierung sowie bei Verwertungs- und Extraktionsprozessen herrschen oft Arbeitsbedingungen, die von Abhängigkeit und Willkür geprägt sind. Besonders Kinder und Jugendliche sind betroffen – wie stark, hängt von der Struktur des informellen Sektors ab.
- Gewerkschaftsfreiheit
- Arbeitspraxis/
-qualität -
Beschäftigungs-
verhältnis -
Arbeitssicherheit und Gesundheit
In Ländern wie Pakistan, Ghana, Vietnam oder Nigeria arbeiten Menschen aller Altersgruppen unter problematischen Bedingungen. Sie suchen nach verwertbaren Rohstoffen und setzen sich dabei ohne ausreichenden Arbeitsschutz erheblichen Gesundheitsrisiken aus. Besonders auf der ersten Stufe der Sortierung und Trennung drohen schwere Folgen: Viele erkranken an Krebs, und Organe wie Leber und Nieren nehmen oft irreparable Schäden. Neben den Langzeitschäden durch das Einatmen giftiger Stoffe und den Kontakt mit ätzenden Materialien ereignen sich täglich Unfälle, die akute Verletzungen verursachen.
- Diskriminierung/ Diversity
- Governance
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Korruption, Bestechung, Vorteilsannahme
Korruption, Bestechung und Vorteilsannahme zählen laut ethischer Risikoanalyse zu den größten Gefahren. Der Grund liegt in der strukturellen Anfälligkeit des Sektors, die durch falsche Anreize entsteht. Im Fokus steht daher weniger die einzelne Bestechung oder Vorteilsannahme, sondern die Analyse des korrupten Umfelds und seiner Mechanismen. Rechtliche Grauzonen werden im Elektrorecycling oft aufgrund ökonomischer Anreize auf Kosten der Legalität ausgereizt.
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Wettbewerbswidriges Verhalten
Vor allem bei Sammlung und Transport treten Verstöße gegen den Wettbewerb auf. Die Regelungsdichte und die komplizierte Gesetzeslage haben einen großen Dienstleistungssektor hervorgebracht, der viele Prozesse meist langfristig übernimmt. Intransparenz und verschachtelte Geschäftsbeziehungen bieten idealen Nährboden für unfaire Praktiken. Die Arbeitsteilung zwischen Remarketing-Unternehmen und Entsorgungsdienstleistern einerseits sowie Recyclingfirmen und Herstellern andererseits verschiebt Verantwortlichkeiten und begünstigt so regelwidriges Verhalten.
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Compliance
Im Elektrorecycling regelt die Compliance, wie Elektroaltgeräte umweltgerecht entsorgt werden müssen. Verstöße treten besonders in den ersten drei Stufen der Wertschöpfungskette auf: bei der Registrierung, der Sammlung und dem Transport oder Import. Gerade hier zeigt sich, dass die bestehenden Gesetze trotz ihrer detaillierten Ausgestaltung oft nicht wirksam genug sind.
- Steuerhinterziehung
- Bad Governance
- Produkt-
verantwortung - Kundensicherheit
- Kennzeichnung von Produkten
- Marketing, Werbung
- Schutz der Kundendaten
- Ökologische
Elektrorecycling – eine ethische Risikoanalyse
Trotz einer komplexen europäischen Regelungsstruktur mitsamt umfassender und in dieser Weise einzigartiger Produzentenverantwortung leiden Mensch und Natur in außereuropäischen Ländern unter der Entsorgung ausgedienter Elektrogeräte westlicher Industrienationen.
Obwohl alle gravierenden ethischen Problemfälle im Elektrorecycling, insbesondere Umweltverstöße und gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen, vorwiegend im informellen Sektor westafrikanischer und südostasiatischer Länder vorzufinden sind, liegt das Kernproblem innerhalb der europäischen Grenzen und zwar im Übergang zwischen dem formellen und dem informellen Sektor. Offensichtlich findet auf dem Weg zwischen dem Endkonsumenten, der ein Produkt wegwirft, und dem tatsächlichen Recycling eine große Wertschöpfung mit hohen ökonomischen Anreizen statt, an der eine Vielzahl von Akteuren beteiligt ist. Diese bilden eine Konstellation, die aufgrund rechtlicher Grauzonen, fehlender Transparenz und starker Dynamik einen Nährboden für Korruption darstellt.
Laut ethischer Risikoanalyse sind die Hauptproblemfelder im Bereich Elektrorecycling in unterschiedlicher Ausprägung innerhalb des Wertschöpfungsprozesses:
- Arbeitssicherheit und Gesundheit
- Biodiversität
- Compliance
- Emissionen, Abwässer und Abfälle
- Interessen der lokalen Bevölkerung
- Kinderarbeit
- Korruption, Bestechung und Vorteilsannahme
- Wettbewerbswidriges Verhalten
- Zwangs- und Pflichtarbeit
Weiterführendes und Downloads zur ethischen Risikoanalyse Recycling
Erschienene era-Paper
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Download Elektrorecycling
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Download Fisch
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Download Kakao
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Download Tourismus
Überblick – ethische Risikoanalysen
Elektrorecycling – eine ethische Risikoanalyse
Fisch – eine ethische Risikoanalyse