Wertschöpfungskette Fisch

    • Ökologische
      Indikatoren
    • Emissionen, Abwässer und Abfälle
    • Ressourcenverbrauch

      Die Fischbestände sind durch massive Überfischung in Küstennähe geschrumpft, sodass für die Industrie immer entferntere Meeresregionen erschlossen werden müssen. Zwar liegen die Fangmengen heute leicht unter dem Rekordniveau, doch das Problem bleibt bestehen: Aquakulturen decken lediglich den steigenden Bedarf. Gleichzeitig belasten sie die Wildfischbestände weiter, da ein Teil des Fangs zu Fischmehl und -öl verarbeitet wird, um die Zuchttiere zu füttern.

    • Biodiversität

      Nicht nur das Ausmaß der Fischerei, auch die Fangmethoden beeinflussen die Biodiversität in Ozeanen und Binnengewässern entscheidend. Grundschleppnetze, Stellnetze und Langleinen schädigen das marine Leben, indem sie Böden zerstören und Meeressäuger sowie Seevögel als Beifang töten. Entsorgtes Fischereigerät, das unkontrolliert weiterfischt ("ghost fishing"), verschärft das Problem. Zudem hat die Befischung der gesamten Nahrungskette die Bestände von Beutefischen drastisch reduziert. Aquakulturen, einst als nachhaltige Alternative zum Wildfang gedacht, verursachen bei intensiver Nutzung Sauerstoffmangel in den betroffenen Gewässern. Besonders Mangrovenwälder an den Küsten, die sich ideal für Fischfarmen eignen, fallen der Zucht oft innerhalb weniger Jahre zum Opfer.

    • Transportemissionen
    • Tierschutz

      Der Tierschutz wird in der Fischbranche bei Lebendtransporten unter nicht artgerechten Bedingungen bedroht. Daneben führt der Beifang von Meeressäugern und Seevögeln zu teilweise gravierenden Verletzungen und zum Tod von Tieren. In der Wissenschaft ist es nach wie vor umstritten, ob und auf welche Weise Fische Schmerz empfinden.

    • Menschenrechte
    • Diskriminierung

      Vor allem Migranten arbeiten unter harten Bedingungen auf vielen kleinen Fischerbooten. Dort hausen sie in baufälligen und schmutzigen Unterkünften. Berichte aus Südostasien schildern zudem, wie Vorgesetzte sie körperlich misshandeln.

    • Interessen der lokalen
      Bevölkerung

      Die Fischerei und Fischverarbeitung stehen vor Problemen: Arbeitsplätze gehen verloren, und die Ernährungssicherheit leidet. Hauptursachen sind Überfischung durch schlechtes Bestandsmanagement, die Vergabe von Fischereilizenzen an ausländische Flotten und illegale Fischerei. Die stärkere Marktintegration zwingt lokale Fischer, hochwertigen Fisch für den Export zu fangen, statt günstigere Arten für den heimischen Markt bereitzustellen. Aquakulturen können Landkonflikte auslösen, etwa wenn sie den Reisanbau verdrängen. Zudem drohen bei ihrem Ausbau Wasserverschmutzung und der Verlust von Bodenqualität.

    • Kinderarbeit

      Die einfachen Tätigkeiten in der Verarbeitung von Fisch und Fischprodukten erhöhen in manchen Regionen das Risiko von Kinderarbeit. Oft helfen Kinder, das Einkommen der Familie aufzubessern, weil der Verdienst der Eltern in den Fischverarbeitungsbetrieben nicht ausreicht, um alle zu versorgen. Vertragliche Regelungen fehlen meist. Auch aus der Binnenfischerei in einigen afrikanischen Ländern wird immer wieder von Kinderarbeit berichtet.

    • Zwangs- und
      Pflichtarbeit

      In der Fischbranche geraten Menschen in Zwangsarbeit, wenn sie über Vermittlungsagenturen oder Broker Jobs auf Fischerbooten annehmen. Sie zahlen Gebühren für Vermittlung, Ausweise, Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen, Transport und Abgaben an den Broker – oft über Monate oder Jahre hinweg. Im schlimmsten Fall ziehen die Vermittler die Papiere ein oder fälschen sie, sodass die Arbeiter völlig von ihnen abhängig werden und in Schuldknechtschaft geraten. Ähnliche Strukturen finden sich auch bei Beschäftigten in Fischverarbeitungsbetrieben (siehe „Beschäftigungsverhältnis“). 

    • Gewerkschaftsfreiheit
    • Arbeitspraxis/
      -qualität
    • Beschäftigungs-
      verhältnis

      Prekäre Arbeitsbedingungen prägen vor allem die Arbeit auf kleinen und mittelgroßen Fischereifahrzeugen. Viele Beschäftigte, oft Migranten, arbeiten ohne offiziellen Arbeitsvertrag, für wenig Geld, bei langen Schichten und ohne Ausgleich für Überstunden. Häufig wissen sie nicht, wie lange sie an Bord bleiben müssen – manchmal sind es Monate, gelegentlich sogar Jahre, ohne Unterbrechung. Im schlimmsten Fall geraten sie in Schuldknechtschaft: Sie müssen zunächst „Abgaben“ für die Jobvermittlung, Verpflegung und Unterkunft auf dem Boot zahlen (siehe auch „Zwangs- und Pflichtarbeit“).

    • Arbeitssicherheit und
      Gesundheit

      Auf Fischerbooten, besonders in Asien, arbeiten viele Migranten, die Vermittler angeworben haben. Ohne Schutzkleidung und fern von gängigen Sicherheitsstandards werfen sie auf hoher See die Netze aus. Auch an Land fehlt den Arbeitern, die den Fang für den Verkauf vorbereiten, geeignete Kleidung. Viele arbeiten trotz Krankheit weiter, weil der Lohn niedrig ist und es keine Ausgleichszahlungen gibt.

    • Diskriminierung/
      Diversity

      Vor allem Migranten arbeiten unter harten Bedingungen auf vielen kleinen Fischerbooten. Dort hausen sie in baufälligen und schmutzigen Unterkünften. Berichte aus Südostasien schildern zudem, wie Vorgesetzte sie körperlich misshandeln.

    • Governance
    • Korruption, Bestechung,
      Vorteilsannahme

      Bei der Vergabe von Fischereilizenzen und der Fangkontrolle droht regional ein hohes Bestechungsrisiko, das die Überfischung vorantreibt. Zudem heißt es, Unternehmer der Verarbeitungsindustrie bestächen Fischer, um illegale Fänge zu erhalten. Auch Kontrolleure in den Betrieben nehmen offenbar Schmiergelder an.

    • Wettbewerbswidriges
      Verhalten
    • Compliance

      Die Vergabe von Lizenzen ohne Rücksicht auf nachhaltige Fischerei und eine mangelhafte Überwachung verschärfen die Probleme illegaler Fischerei und Überfischung. Dazu tragen auch Flaggenstaaten bei, die sogenannte „Flags of Covenience" vergeben und Schiffe unter ihrer Flagge fahren lassen, ohne die Fischerei zu regulieren oder zu kontrollieren.

    • Steuerhinterziehung
    • Bad Governance

      Schlechte Regierungsführung belastet einige Küstenstaaten, wenn sie durch übermäßige Vergabe von Fanglizenzen an ausländische Flotten Arbeitsplätze in der Fischerei und Fischverarbeitung gefährden. Laut UN-Seerechtsübereinkommen sollen sie die heimische Fischerei stärken und Fangerlaubnisse nur für ungenutzte Ressourcen vergeben. Doch oft bleibt unklar, wohin die erhaltenen Gegenleistungen fließen. Zudem erschweren strukturelle Schwächen und knappe finanzielle Mittel den Schutz der heimischen Fischbestände und die Kontrolle der ausschließlichen Wirtschaftszonen.

    • Produkt-
      verantwortung
    • Kundensicherheit

      Schon beim Umladen vom Fang- auf ein Transportschiff auf See kann die Rückverfolgbarkeit von Fisch leiden. Oft nutzen Beteiligte das Transhipment gezielt, um die Herkunft zu verschleiern. Auch während des weiteren Transports und in Verarbeitungsfabriken kommt es vor, dass man Fisch falsch ausweist – sei es bei Art, Herkunft oder Fangmethode. Dies geschieht absichtlich oder aus Mangel an Transparenz und Wissen. Am Ende der Wertschöpfungskette erhalten Konsumenten oder Restaurantbetreiber dann unvollständige oder falsche Informationen.

    • Kennzeichnung von
      Produkten

      Schon beim Umladen vom Fang- auf ein Transportschiff auf See kann die Rückverfolgbarkeit von Fisch leiden. Oft nutzen Beteiligte das Transhipment gezielt, um die Herkunft zu verschleiern. Auch während des weiteren Transports und in Verarbeitungsfabriken kommt es vor, dass man Fisch falsch ausweist – sei es bei Art, Herkunft oder Fangmethode. Dies geschieht absichtlich oder aus Mangel an Transparenz und Wissen. Am Ende der Wertschöpfungskette erhalten Konsumenten oder Restaurantbetreiber dann unvollständige oder falsche Informationen.

    • Marketing, Werbung
    • Schutz der Kundendaten

Fisch – eine ethische Risikoanalyse

Fisch gilt als gesund und genießt einen exzellenten Ruf. In Deutschland isst jeder im Schnitt 12 Kilogramm pro Jahr, weltweit sind es sogar 20 Kilogramm. In den letzten 30 Jahren hat sich die Fischproduktion verdoppelt, und die Nachfrage wächst weiter. 

Doch weil Überfischung die natürlichen Bestände stark dezimiert hat, stammt immer mehr Fisch aus Aquakulturen. Diese lösen die ökologischen Probleme jedoch nicht, sondern schaffen neue, ähnlich denen der Massentierhaltung an Land. Die ethische Risikoanalyse richtet ihren Blick daher weniger auf die Fischzucht als auf die Fischerei. 

Die größten Risiken der Branche zeigen sich vom Fang bis zur Verarbeitung. Soziale Probleme konzentrieren sich vor allem auf die Arbeit auf Fischerbooten und in der Verarbeitung, da hier oft niedrige Standards gelten. Beim Verkauf fehlt es zudem an Transparenz: Die Kennzeichnung der Produkte ist häufig unzureichend, sodass Verbraucher oft nicht wissen, wo und wie der Fisch gefangen wurde. Die ethische Risikoanalyse nennt folgende Hauptprobleme der Fischbranche:

Weiterführendes und Downloads zur ethischen Risikoanalyse Fisch